Aufgaben des Eigenkapitals A und Problematik der Kapitalabgrenzung

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Finanzkrise und dadurch erschwerter Kreditfinanzierung kommt dem Eigenkapital als Kennzahl eine überragende Bedeutung zu.
– Damit wird die richtige Abgrenzung und ein korrekter  (handels-)bilanzieller  Ausweis zu einer unabdingbaren Voraussetzung.
– Typischerweise ergeben sich Kapitalabgrenzungsprobleme insbesondere in Fällen, wo rechtliche und wirtschaftliche Betrachtungsweise auseinanderfallen, wie dies eben typischerweise bei Personenhandelsgesellschaften gegeben ist.
– Scharfenberg (Vgl. steuer-journal.de 11/2004, S. 29) weist dementsprechend darauf hin, dass gerade bei prüfungspflichtigen Personenhandelsgesellschaften (aber auch bei solchen, die sich einer freiwilligen Prüfung unterziehen) die Gefahr besteht, dass es in Folge einer unkorrekten Abgrenzung rsp. eines falschen Ausweises letztendlich sogar zur Einschränkung bis hin zur Versagung des Bestätigungsvermerks kommen kann.
– Eigenkapitalgenerierung und Eigenkapitalausweis sind Fragen, die in diesem Kontext mehr und mehr zu strategischen Faktoren werden, insbesondere oder gerade auch in mittelständischen nicht kapitalmarktbezogenen Unternehmen.
– Weder im HGB noch in anderen für die Bilanzierung relevanten Spezialgesetzen finden sich bindende Tatbestandsmerkmale, die eine sichere Zuordnung von Passivposten zum Eigen- oder Fremdkapital erlauben.
– Auch der Literatur lässt sich eine griffige Formel nicht entnehmen. Stattdessen wird eine Vielzahl von Abgrenzungskriterien angeboten, die zudem eine unterschiedliche Gewichtung erfahren.
– Immerhin besteht heute weitgehend Einvernehmen darüber, dass bei der
Abgrenzung zwischen EK und FK weniger auf die jeweilige zivilrechtliche
Einkleidung (=formeller Kapitalbegriff) als vielmehr auf die dem Kapital im
Unternehmen zukommende Funktion (=materieller oder funktioneller Kapitalbegriff) abzustellen ist (Vgl. BGH v. 22.8.1990, BStBl. II 1991, S. 415 ff.)
– Unabhängig von der formellen Abgrenzung des EK haben sich in der  Praxis zahlreiche Finanzierungsformen herausgebildet, in denen sich sowohl idealtypische
Merkmale des EK als auch solche des FK verbinden.
– Unter diesen Voraussetzungen ist eine dichotome Einteilung in EK und FK nicht mehr sinnvoll. Die Kriterien müssen daher mit einem funktionellen EK-Begriff weiterentwickelt werden.
– Der funktionelle Ansatz nimmt unter Rückgriff auf den jeweiligen Zweck des Jahresabschlusses eine Kapitalabgrenzung vor. In Abhängigkeit vom jeweils zugrunde liegenden Zweck kann ein Kapitalbeitrag dann entweder als EK oder FK qualifiziert werden.
– Während das FK ausschließlich eine Finanzierungsfunktion übernimmt, kann das EK darüber hinaus zahlreiche weiteren Aufgaben erfüllen. Neben der Gründungsund Errichtungsfunktion, der Existenzsicherungsfunktion, der Kreditwürdigkeitsfunktion und der Unabhängigkeitsfunktion ist hier insbesondere auch die Haftungsfunktion zu nennen.

adminFIREFLY20080618