Was heißt eigentlich Führen?

Führen heißt,  einen Mitarbeiter bzw. eine Gruppe unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation und der eigenen Person auf ein gemeinsames Ziel hin zu beeinflussen.

Eine Führungskraft fördert die Leistungsbereitschaft und die Leistungsfähigkeit der Mitar-beiter sowie Ihr Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe.

Berücksichtigt sie auch die jeweilige Situation und ihre eigenen Stärken und Schwächen, so wird das gemeinsame Ziel erreicht.

Die Definition des Begriffes Führung reicht jedoch nicht aus, um zu verstehen, welche Fakto-ren Führung ausmachen und beeinflussen. Wie jemand führt, hängt sehr stark von der Per-sönlichkeit und dem daraus resultierenden Verhalten eines Menschen ab. Aus dem Grund ist es wichtig, sich mit der Persönlichkeit und den Verhaltenstendenzen von Menschen zu be-schäftigen.

Führungsverhalten: Autoritär oder kooperativ? 

Das Führungsverhalten ist nur dann zu berücksichtigen, wenn die betreffende Stelle Füh-rungsverantwortung besitzt.

Eine Überqualifikation kann es beim Führungsverhalten nicht geben.

Die Kriterien für das Führungsverhalten sind: 

• Vorbildfunktion
• Delegieren
• Koordinieren
• Kooperieren
• Ziele vereinbaren
• Informieren
• Verantwortung übernehmen
• Fördern
• Anerkennung und Kritik

Die Kriterien für das Führungsverhalten gelten in gleicher Weise für alle Mitarbeiter, die Füh-rungsverantwortung haben.

Einführung in die Persönlichkeitspsychologie 

Das DISG-Modell 

Schon immer wurden Versuche unternommen menschliches Verhalten zu verstehen und zu analysieren. Es existieren verschiedenste Theorien von Psychologen über das menschliche Verhalten, die jedoch in ihrer Komplexität für einen Laien kaum zu verstehen, noch anzu-wenden sind.

Das Persönlichkeitsmodell DISG stellt eine Möglichkeit dar, menschliches Verhalten zu er-kennen und zu beschreiben. Das Modell beschreibt Verhalten in vier Dimensionen:

D = Dominant
I = Initiativ
S = Stetig
G = Gewissenhaft

An erster Stelle steht dabei die Analyse des eigenen Führungsverhaltens, denn nur so kann man verstehen, wie man auf andere wirkt und welche Eigenschaften das eigene Führungs-verhalten prägen.

Auf der Grundlage dieses Modells ist es auch möglich, das Mitarbeiterverhalten näher zu beleuchten und besser zu verstehen. Erst jetzt ist es möglich, den geeigneten Führungsstil für den einzelnen Mitarbeiter zu finden.

Kommunikation bildet dabei die Grundlage der Personalentwicklung und ist bei der Füh-rungsaufgabe unumgänglich.

Grundlagen des Marston-Modells 

Das DISG-Persönlichkeitsmodell baut auf dem Modell von William Moulton Marston aus 1928 auf und erschien erstmals in dem damals veröffentlichten Buch: „Emotions of Normal People“. Sein Modell soll ein Instrument sein das Verhalten normaler und nicht kranker Men-schen zu verstehen, nicht aber zu bewerten.

Das Verhalten wird laut dem Modell von Marston durch zwei Einflussfaktoren beeinflusst:

• der wahrgenommenen Umwelt, die günstig und ungünstig wahrgenommen werden kann und
• der Person, die aktiv oder passiv sein kann.

Umwelt bezieht sich hier auf alles, was sich außerhalb der betreffenden Person befindet.

Die folgende Grafik zeigt, wie Marston den Einzelnen, seine Umgebung und die Reakti-on darauf sah.

Im Kern steht die genetisch bedingte Persönlichkeit, die sich in der Augenfarbe, dem Kör-perbau, der Intelligenz, der Größe usw. niederschlägt. Diese genetisch bedingte Persönlich-keit prägt und beeinflusst das Verhalten eines Menschen.

Daneben existiert die Kernpersönlichkeit, die schon in der Kindheit von der Gesellschaft ge-prägt und gefördert wird. Wie ein Mensch auf verschiedene Situationen und Umwelteinflüsse reagiert, hängt sowohl von der genetisch bedingten Persönlichkeit, als auch von den ge-machten Erfahrungen ab. Diese Reaktionen oder Verhaltensweisen sind beobachtbar und auch veränderbar.

Mitarbeiterverhalten 

Übungen 

Ziel: Setzen Sie das, was Sie über die DISG-Typen gelernt haben, in einer praktischen Fallstudie ein.

Diese Fallstudie beschreibt den Verhaltensstil einer Person. Lesen Sie die Fallstudie und bestimmen Sie dann den primären Verhaltensstil. Bestimmen Sie auch den sekundären Stil, falls er zu erkennen ist. Besprechen Sie in Kleingruppen die Fragen und Ergebnisse.

Fallstudie 1: Herr Schultze 

Herr Schultze ist Inhaber einer Firma, die sich mit Geräten für Bürokommunikation befasst. Er ist ge-duldig und nimmt sich Zeit dafür, auch die persönlichen Probleme seiner Mitarbeiter anzuhören. Im Normalfall ist er bestrebt, mit seinen Leuten herzliche Beziehungen zu pflegen und es wird ihm immer sehr unbehaglich, wenn es in seiner Firma irgendwo Streit gibt. Für gute Leistungen teilt er immer viel Lob aus. Er ermutigt seine Mitarbeiter stets, ihn in seinem Büro aufzusuchen, wenn sie einen Verbes-serungsvorschlag oder ein Problem haben, aber auch, wenn sie etwas Persönliches zu berichten ha-ben.

Vor kurzem begann er mit einem größeren Unternehmen zu verhandeln, das seine Firma kaufen möchte. Er ist unsicher, wie die Sache ausgehen wird. Natürlich machen sich seine Mitarbeiter Sorgen um die Folgen, die diese Verhandlungen für sie haben könnten. Die Arbeitsmoral ist gesunken und die Produktion leidet darunter. Ein paar Mal schon haben ihn verschiedene Mitarbeiter darauf angespro-chen, dass sie gerne eine Betriebsversammlung zu diesem Thema hätten, damit sie informiert sind. Herr Schultze schiebt diese Versammlung immer wieder vor sich her und beginnt seine Mitarbeiter zu meiden.

StBV