Wenngleich gegenwärtige Betriebsveranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie kaum ein Thema sind, treten im Rahmen von Lohnsteuer-Außenprüfungen regelmäßig Diskussionen zu den in der Vergangenheit durchgeführten Betriebsveranstaltungen auf.

Der BFH hat bedeutsame Rechtsfragen geklärt. Im Entscheidungsfall ging es um eine Weihnachtsfeier, die als gemeinsamer Kochkurs durchgeführt wurde. Von den 30 Betriebsangehörigen sagten 27 Arbeitnehmer ihre Teilnahme zu. Kurzfristig sagten zwei Mitarbeiter ihre Teilnahme ab, ohne dass sich die ursprünglich kalkulierten Kosten von 3.052,35 EUR reduzierten.

Die Arbeitgeberin (Klägerin) führte eine Lohnsteuer-Pauschalierung durch, soweit die Betriebsveranstaltungskosten je teilnehmendem Arbeitnehmer über 110 EUR lagen. Der Detailteufel lag in der Berechnung: Entgegen der Verwaltungsauffassung dividierte die Klägerin die Kosten von 3.052,35 EUR durch die angemeldeten Teilnehmer und pauschalierte nur in Bezug auf die tatsächlichen Teilnehmer.

 

Berechnung

3.052,35 € : 27 angemeldete Teilnehmer =        113,05 €

abzüglich Freibetrag                               –       110,00 €

verbleiben                                                          3,05 €

x 25 tatsächliche Teilnehmer                           76,25 €

Dieser Berechnung schloss sich das Finanzamt nicht an und dividierte die Betriebsveranstaltungskosten durch die Anzahl der tatsächlichen Teilnehmer.

 

Berechnung

3.052,35 € : 25 tatsächliche Teilnehmer =        122,09 €

abzüglich Freibetrag                               –       110,00 €

verbleiben                                                        12,09 €

x 25 tatsächliche Teilnehmer                         302,25 €

 

Durch diese Berechnungsweise wird im Ergebnis der geldwerte Vorteil für die tatsächlich teilnehmenden Personen um die anteiligen Kosten der Nichtteilnehmer erhöht (sog. No-Show-Kosten).

Der BFH hat sich nunmehr der Berechnungsweise der Finanzverwaltung angeschlossen. In die Bemessungsgrundlage der Arbeitgeberkosten seien auch sämtliche Bruttokosten einzubeziehen, unabhängig davon, ob diese einzelnen Arbeitnehmern individuell zugerechnet werden könnten sind. Nicht teilnehmende Arbeitnehmer, die beim Arbeitgeber Kosten verursacht haben, reduzierten damit den Zuwendungswert nicht. Begründet wird dies mit einer verfassungsgemäßen Typisierung.

 

Beratungshinweis

In einem Nebensatz hat der BFH auch der Anwendung der 44 €-Freigrenze (ab 2022: 50 €) auf den steuerpflichtigen Veranstaltungsvorteil – statt Vornahme einer Pauschalierung – eine Absage erteilt. Geldwerte Vorteile aus einer Betriebsveranstaltung werden mit den Arbeitgeberkosten angesetzt und damit wird die Marktpreisbewertung (§ 8 Abs. 2 Satz 1 EStG) verdrängt.

 

BFH-Urt. v. 29. April 2021 – VI R 31/18

 

 

 

 

Stand: 23.07.2021

StBV