Für Sachbezüge, die seit 2007 von der Sozialversicherungsentgeltverordnung (kurz: SvEV)[1] erfasst werden, sind die sozialversicherungsrechtlich festgelegten amtlichen Sachbezugswerte auch steuerrechtlich zwingend[2] anzusetzen und damit für die Bewertung von geldwerten Vorteilen bindend.[3]

 

Durch die SvEV werden amtliche Sachbezugswerte für Unterkunft und Verpflegung festgelegt. Zum 1. Januar trat eine Anpassung dieser amtlichen Sachbezugswerte ein. Für 2022 sind wiederum höhere amtliche Sachbezugswerte vorgesehen. Folgende amtliche Sachbezugswerte 2021 sind festgelegt bzw. in 2022 zu erwarten:[4]

 

Amtliche Sachbezugswerte in EUR 2022 2021 2020 2019
Für freie Verpflegung – monatlich 270,00 263,00 258,00 251,00
Für freie Unterkunft – monatlich 241,00 237,00 235,00 231,00
Gesamtsachbezugswert 511,00 500,00 493,00 482,00

 

 

Abgeleitet aus den monatlichen amtlichen Sachbezugswerten ergeben sich einheitlich für alle Arbeitnehmer in allen Bundesländern (und somit auch bei Jugendlichen unter 18 Jahren und Auszubildenden) folgende tägliche amtliche Sachbezugswerte für die jeweiligen Mahlzeiten:[5]

 

 

Art der Mahlzeit Monatlicher Wert
2021 (2020)
Kalendertäglicher Wert 2021 (2020)
Frühstück 55 € (2020: 54 €) 1,83 € (2020: 1,80 €)
Mittag- bzw. Abendessen
(jeweils)
104 € (2020: 102 €) 3,47 € (2020: 3,40 €)

 

Art der Mahlzeit Monatlicher Wert
2022 (2021)
Kalendertäglicher Wert 2022 (2021)
Frühstück 56 € (2021: 55 €) 1,87 € (2021: 1,83 €)
Mittag- bzw. Abendessen
(jeweils)
107 € (2021: 104 €) 3,57 € (2021: 3,47 €)

 

 

Der Ansatz der amtlichen Sachbezugswerte kann in folgenden Sachverhalten erfolgen:

 

  • Arbeitstägliche Mahlzeiten, die durch eine vom Arbeitgeber selbst betriebene Kantine etc. abgegeben werden.[6] Nur dann, wenn die Mahlzeiten überwiegend nicht für Arbeitnehmer zubereitet werden, kann (= Wahlrecht) alternativ eine Bewertung mit dem Endpreis nach § 8 Abs. 3 EStG unter Anwendung des Rabattfreibetrags zur Anwendung kommen.[7]
  • Arbeitstägliche Mahlzeiten, die Arbeitnehmer in einer nicht vom Arbeitgeber selbst betriebenen Kantine etc. erhalten[8].
  • Arbeitstägliche Mahlzeitengestellungen durch Ausgabe von Essensgutscheinen bzw. Restaurantschecks[9], sofern der Verrechnungswert der Essenmarke für ein Mittagessen 2021 nicht über 6,57 EUR (Mittag- bzw. Abendessen: 3,47 EUR zuzüglich 3,10 EUR) bzw. in 2022 (voraussichtlich) nicht über (3,57 EUR zuzüglich 3,10 EUR=) 6,67 EUR liegt. Bei dem Erhöhungsbetrag i.H.v.
    3,10 EUR handelt es sich um eine Kulanzregelung der Finanzverwaltung, die durch die jährliche Anpassung des amtlichen Sachbezugswertes nicht beeinflusst wird.
  • Übliche Mahlzeitengestellungen während einer Auswärtstätigkeit oder einer doppelten Haushaltsführung, sofern diese durch den Arbeitgeber oder auf Veranlassung des Arbeitgebers von einem Dritten dem Arbeitnehmer zur Verfügung gestellt werden.[10]

 

 

Beispiel

In der betriebseigenen Kantine werden Mittagessen sowohl für Mitarbeiter als auch für externe Personen angeboten. Das jeweilige Mittagessen kostet den Arbeitnehmer 3,57 EUR (2022). Eine externe Person zahlt für das jeweilige Essen 7,20 EUR. Die Regelungen zum Rabattfreibetrag kommen nicht zur Anwendung.

Die Bewertung des Mittagessens erfolgt – losgelöst vom Marktpreis – mit dem amtlichen Sachbezugswert i.H.v. 3,57 EUR (2022). Der geldwerte Vorteil wird durch die Zahlung des Arbeitnehmers i.H.v. 3,57 EUR (2022) auf 0 EUR reduziert. Eine Erfassung von steuerpflichtigem Arbeitslohn findet folglich nicht statt.

 

 

 

[1] BGBl I 2006, 3385 = BStBl I 2006, 782

[2] BFH-Urt. v. 23.8.2007, BStBl II 2007, 948

[3] Vgl. § 8 Abs. 2 Sätze 6 bis 8 EStG

[4] Verordnung zur Änderung der Sozialversicherungsentgeltverordnung und der Unfallversicherungsobergrenzenverordnung v. 15.12.2020, BGBl I 2020, 2933 = BStBl I 2021, 58 und BMF-Schr. v. 28.12.2020 – BStBl I 2021, 59

[5] 2021: BMF-Schr. v. 28.12.2020 – BStBl I 2021, 59

[6] R 8.1 Abs. 7 Nr. 1 LStR 2015

[7] § 8 Abs. 3 EStG, R 8.1 Abs. 7 Nr. 1 S. 2 LStR 2015

[8] siehe im Detail R 8.1 Abs. 7 Nr. 2 LStR 2015

[9] Siehe R 8.1 Abs. 7 Nr. 4 LStR 2015 und BMF-Schr. v. 18.1.2019 – BStBl I 2019, 66 und BMF-Schr. v. 13.4.2021 – BStBl I 2021, 624 Rz. 8 und Rz. 16

[10] § 8 Abs. 2 Satz 8 EStG und H 8.1 Abs. 7 LStH „Essenmarken nach Ablauf der Dreimonatsfrist bei Auswärtstätigkeiten“ und BMF-Schr. v. 5.1.2015 – BStBl I 2015, 119

 

 

 

 

Stand: 15.10.2021

StBV